"Wasser in die Stadt“ - Auf den Spuren des Trinkwassers in Ober-Ingelheim

Auf den Spuren der Wasserversorgung in Ober-Ingelheim

2019

 

Etwas mehr als zwanzig interessierte Bürger/innen folgten der Einladung von Pro Ingelheim und Birgid Dinges, Naturpädagogin Rheinhessen, zur, zum zweiten Mal durchgeführten, „Wasserwanderung“. Dieses Jahr war es nicht ganz so heiß wie im Jahr zuvor, allerdings drohten rasch nahende Gewitterwolken, es blieb aber trocken von oben.

 

Nach wie vor sind viele Einheimische auf den Ursprung des in den Weinbergen oberhalb der Burgkirche liegenden und weit sichtbaren historischen Wasserhäuschens sehr neugierig. Am Fuße des ehemaligen Wasserspeichers mit weitem Blick in die Umgebung lässt sich die Geschichte der Wasserversorgung von Ober-Ingelheim seit 1900 besonders anschaulich darstellen. Die Gruppe lauschte den Ausführungen von Birgid Dinges.

 

Am Tisch des Weins konnte Herr Winzek ausgewählte historische Pläne und Querschnitte aus dem Archiv der Rheinhessischen zur vertiefenden Erläuterung zeigen. Vielfältige Nachfragen von Besuchern bezeugen das hohe Interesse an diesem Thema der Wasserversorgung von Ober-Ingelheim, bzw. allgemein in Ingelheim. Alle konnten zufriedenstellend beantwortet werden. Die Graffiti am Gebäude wurden im Frühjahr entfernt. Dafür prangen nun, bedauernswerterweise, eine Vielfalt von Aufklebern und Stickern an der ehemaligen Zugangstür zum Wasserreservoir.

 

Der neue Wasserspeicher der Rheinhessischen, der seit Ende der 80er Jahre in Betrieb ist und am Fuße des Westerberges liegt, ist vom historischen Wasserhäuschen auch mit dem bloßen Auge erkennbar. Das gelingt nicht immer auf Anhieb. Birgid Dinges hielt neben einem Fernglas auch erklärende Fotos für die Teilnehmenden bereit. Die visuelle Suche wurde durch die sich rasch vom Binger Loch aus nähernden Gewitterwolken beschleunigt. Trockenen Fußes erreichte die Gruppe den zweiten Punkt der Wasserführung: Das Häuschen neben dem alten E-Werk mit der „Quelle Hesselweg“. Von hier aus wird seit 1900 das vom Mainzer Berg stammende Wasser in die Trinkwasserversorgung von Ober-Ingelheim und inzwischen in die Trinkwasserversorgung der Stadt Ingelheim eingespeist.

 

In der Wassergewinnungsanlage wurde es ein wenig eng wegen der vielen Besucher, aber die Herren Reitz und Winzek hatten Wein und Wasser bereitgestellt und beantworteten auch hier die Fragen der Gäste. Vielen Dank an die Fachleute und an Frau Dinges als Organisatorin der Veranstaltung.

 

Im Herbst wollen wir die Anlage im Blumengarten besuchen, als modernes Pendant zur Historie der Wassergewinnung. Hierzu ist eine Anmeldung erforderlich unter info@proingelheim.de. Der Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben. 

 

2018

Am historischen Wasserhaus am Burgweg in Ober-Ingelheim konnten die Zuhörer erfahren, dass es drei Quellen und etliche Brunnen in Ober-Ingelheim um 1900 gegeben hat. Von der Quelle im Hesselweg wurde das Wasser nach oben in das Wasserhaus am Burgweg gepumpt, dort mit einem Fassungsvermögen von 300 m³ gespeichert, um anschließend mit Druck aufgrund des natürlichen Gefälles, die Haushalte in Ober-Ingelheim mit Trinkwasser zu versorgen. Bis 1978 war das Wasserhaus in Betrieb.

 

Von hier hat man einen beeindruckenden Fernblick, weshalb viele Ingelheimer und andere Besucher gerne hier oben verweilen. Im Jahr 2004 hat Pro Ingelheim das Gelände durch die Spende einer Bank aufgewertet und den Anstoß zur Sanierung bzw. Sicherung der Fassade des Häuschens gegeben. Erst kürzlich wurde ein Tisch des Weins durch die Stadt Ingelheim aufgestellt. Leider ist das Häuschen aufgrund seiner Abgelegenheit ein häufiges Ziel von sog. „Graffitikünstlern“ – aber es sieht einfach nur hässlich aus. Schade um dieses Kleinod.

 

Anschließend führte uns der Weg zum Hesselwegbrunnen. Hier erwartete uns Herr Alexander Reitz, Abteilungsleiter Wasserversorgung bei der Rheinhessischen, mit gekühlten Getränken, darunter frisches Wasser aus der Hesselwegquelle,  und seinem Bericht zu der Geschichte des Brunnens. An der Wand hängt ein Plan von 1900, der unter anderem die Gesteinsschichten zeigt bis zur Wasser führenden blauen Lettenschicht. Von hier aus wird das aus dem Mainzer Berg stammende Wasser durch einen 65 Meter langen Stollen aus 19 Meter Tiefe hochgepumpt – dies bereits seit mehr als 100 Jahren - und auch heute noch in das Leitungsnetz der Trinkwasserversorgung eingespeist. Jährlich werden im Hesselweg rund 50.000 m³ Wasser gefördert.

 

Zum Abschluss gewährte Herr Winzek den Teilnehmenden noch einen Blick in das neben der Wassergewinnungsanlage Hesselwegquelle gelegene alte E-Werk.

 

Es war eine gelungene Veranstaltung mit einer mit fundiertem Wissen aufwartenden Referentin, sowie zwei sehr engagierten Fachleuten von der Rheinhessischen. Vielen Dank für das Engagement seitens der Referenten. Demnächst gestattet man uns einen Blick in das Wasserwerk am Blumengarten, als Ergänzung zu diesem ersten Spaziergang auf den Spuren des Wassers - Termin folgt.