Führung mit Holger Grewe am 27. September 2018

Vor wenigen Tagen wurde die Grabung zugeschüttet, nichtsdestotrotz wusste Holger Grewe die zahlreichen Zuhörer mit seinen Ausführungen zu der Geschichte von St. Remigius zu fesseln. Gesichert ist, dass es zwei Vorgängerbauten der heutigen Kirche gab, möglicherweise existierte auch ein einfacher Kapellenbau in Holzbauweise schon vor den Massivbauten. Funde von Grabbeigaben lassen eine frühe Siedlung zur Zeit der Merowinger vermuten.

Nach der Klärung einiger Fragen aus den Reihen der Geschichtsinteressierten ging die Gruppe zum Heidesheimer Tor im Saalgebiet. Dort erfuhren wir einige Neuigkeiten zu der Grabung im Gebiet der Wilhelm-von-Erlanger-Straße. Auch diese Sondierung ist beendet, allerdings wird im Oktober an einer anderen Stelle des geplanten Baugebiets eine Grabung vorgenommen. Dort wurden sogar Relikte aus römischer Zeit gefunden, die aus einem Heiligtumsbezirk mit Grabgärten und von einer Trinkwasserleitung stammen. Münzfunde aus augusteischer und tiberischer Zeit lassen auf eine Siedlung in Ingelheim rückschließen, die bereits in der 1. Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. und somit in der Frühzeit der Romanisierung im Mittelrheingebiet gegründet worden ist.

Bis 24. November präsentiert die Forschungsstelle im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 (Sharing Heritage 2018) unter dem Titel „Places of Power - Die Kaiserpfalz Ingelheim in der Welt des Mittelalters“ einige Besonderheiten. Es handelt sich um Rekonstruktionen von untergegangenen Architekturteilen, die im Maßstab 1:1 in Originallage gezeigt werden, unter anderem einen rekonstruierten Fußboden (Bild 8)aus wiederverwendetem Marmor und unterschiedlichen Porphyrsorten, wie er im Mittelalter häufig vorkam. So wurden in Zweitverwendung der Steine Fußböden und Wandverkleidungen aufwändig hergestellt.

 In der Aula Regia befindet sich eine großflächige Rekonstruktion (Bild 10) einer Seitenwand mit Eingang, so könnte die Innenansicht der Palastaula einmal ausgesehen haben. Archäologische Funde von Putzresten belegen diese Ansicht weitgehend. Große Tafeln geben hierzu nähere Erläuterungen und finden sich im gesamten Saalgebiet.  So auch im Nordflügel (Bild 11) der Pfalzanlage, hier stehen zwei rekonstruierte Säulen in Originalgröße, diese verdeutlichen die Dimension eines repräsentativen Gebäudes.

 So endete eine hochinteressante Führung durch die Ingelheimer Geschichte. Erfreulich, dass trotz intensiver Forschung in früherer Zeit immer wieder neue und überraschende Erkenntnisse auftauchen. So bleibt es weiter spannend und wir freuen uns auf die nächste Führung mit Herrn Grewe.

Weitere Informationen dazu finden Sie auf folgenden Internetseiten:

https://www.ingelheim-erleben.de/places-of-power

https://sharingheritage.de/projekte/kaiserpfalz-in-ingelheim-vom-machtort-zum-imaginationsort/